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Der Ausrufer, 2004

Der Ausrufer, 2004

Kommentare

Michael Smidt war Kritik gegenüber sehr aufgeschlossen. Er schätzte den Diskurs und empfand Rückmeldungen jeglicher Art als positiv. Denn Diskussionen, die über Bildinhalte und deren Deutungen entstehen können, bereicherten für ihn die kommunikative Seite der Kunst. Er forderte explizit dazu auf, dass jede Person den Gedankendialog auf ihre Art und Weise aufnehmen und sich mit seiner Kunst auseinandersetzen sollte.

Michael Smidts Gästebuch war für ihn eine Möglichkeit, Stimmen und Meinungen einzufangen. Anfänglich entspann sich darin eine aufeinander aufbauende Korrespondenz der Ausstellungsbesucher*innen, die nicht nur die Kunst ins Visier nahmen, sondern auch das jeweils zuvor Geschriebene diskutierten. Die Resonanz teilte sich in lobende und kritische Äußerungen, mitunter war sie auch sehr emotional. Aus heutiger Perspektive lesen sich die Einträge wie aufeinander Bezug nehmende Kommentare zu einem Social-Media-Posting. Der Großteil der frühen Vermerke aus den Jahren 1966/67 ist deutlich aufmunternd und spricht dem damals am Beginn seiner Karriere stehenden und noch sehr jungen Künstler eine besondere Begabung zu.

Abschrift des Ausstellungsberichts vom 29.11.1968, 17:10 Uhr, Österreichischer Rundfunk, 1. Programm
Abschrift des Ausstellungsberichts vom 29.11.1968, 17:10 Uhr, Österreichischer Rundfunk, 1. Programm
Ausstellungsberichte und -foto zur 1. Einzelausstellung in der Galerie Zentralbuchhandlung, 7.–30.11.1968
Ausstellungsberichte und -foto zur 1. Einzelausstellung in der Galerie Zentralbuchhandlung, 7.–30.11.1968

Aus dem Gästebuch

„Muß sagen, talentiert!“

„[…] Seien Sie zuversichtlich, junger Mann; ich sehe ein heranwachsendes Talent.“ 

„Manche Ihrer Bilder sprechen mich sehr an, da sie eine starke Ausdruckskraft haben, wie z. B. „Waldrand“, „Märchenwald“, „Spiegelung“. Man wird direkt an eigene Erlebnisse erinnert. Das ganze Bild als Gesamtheit veranschaulicht die jeweilige Atmosphäre.“

„Viele dieser Bildwürfe „intriguieren“ den optischen Gedanken des Betrachters im besten Sinne des Wortes „intriguieren“. Diese Arbeiten erscheinen mir als fließende Verläufe mit, eben jener optischen Intrigue, die Spannung hervorruft, sogar Unruhe erregt. Smidt fesselt nicht, er stößt vorwärts.“

„Michael Smidt ist ein malerisches und graphisches Talent!“ 

„Sie haben sowohl als Maler als auch als Zeichner grobes Talent. Sie sind für Ihr Alter erstaunlich weit; viel Glück! Sie verdienen Beachtung und Förderung!“

Als Kunstliebhaber schätze ich an Michael Smidt vor allem die außergewöhnliche Konsequenz, mit der er über sein gesamtes künstlerisches Schaffen hinweg eine unverwechselbare Bildsprache entwickelt hat. Seine dynamische Pinselführung verleiht jedem Werk eine spürbare Energie und Lebendigkeit, die den Betrachter unmittelbar in ihren Bann zieht. Gleichzeitig überzeugen seine Arbeiten durch eine starke, spannungsreiche Komposition, in der Bewegung, Rhythmus und Ausdruckskraft auf bemerkenswerte Weise miteinander verschmelzen.

Was mich besonders beeindruckt, ist die Beständigkeit dieser Qualität: Von seinen frühen Arbeiten bis zu seinem späteren Werk zeigt sich ein außergewöhnliches Gespür für Farbe, Ausdruck und Bildaufbau. Jedes Bild trägt die unverkennbare Handschrift eines Künstlers, der es versteht, Emotion, Dynamik und künstlerische Präzision in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen. Michael Smidt hat damit ein Werk geschaffen, das zeitlos und nachhaltig fasziniert.

Florens Eblinger, Freund und Sammler

Eine der Türfüllungen in der Künstlerresidenz mit einem Zitat von George Braque
Eine der Türfüllungen in der Künstlerresidenz mit einem Zitat von George Braque